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VERLAUF DER ALKOHOLABHÄNGIGKEIT |
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Unterschiedliche
Umgangsformen
mit Alkohol, bis
hin
zu ”Wetttrinken”
sind weit verbreitet...
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Trinkkultur spielt
große Rolle
Betrachtet man den durchschnittlichen Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft,
wird deutlich, wie fließend die Grenze zwischen ”normalem”
und ”problematischem” Alkoholkonsum ist. In Deutschland werden
pro Kopf pro Jahr 10,7 Liter reiner Alkohol konsumiert. Das sind etwa
131 Liter Bier, 23 Liter Wein bzw. Sekt und 6 Liter Schnaps. Lediglich
5-10% aller Erwachsenen trinken gar keinen Alkohol.
Erschwerend kommt hinzu, dass in Deutschland und anderen westeuropäischen
Ländern keine klaren Regeln über
den Umgang mit Alkohol bestehen. Erlaubt ist, was gefällt,
solange keine erkennbaren Probleme auftreten. So sind unterschiedliche
Umgangsformen mit Alkohol, bis hin zu ”Wetttrinken” oder wiederholten
Räuschen weit verbreitet.
Im Gegensatz dazu gibt es in anderen Kulturen klare gesellschaftliche
Regeln für den Alkoholkonsum. Hier sind zum einen Abstinenzkulturen
(v.a. islamische Länder) zu nennen, wo jeglicher Alkoholkonsum verboten
ist und z. T. unter Strafe gestellt wird. Zum anderen existieren sogenannte
Trinkkulturen, in denen Alkohol zum täglichen Leben gehört (viele
südeuropäische Länder), allerdings klare Grenzen bestehen.
So ist z. B. ein Trinken bis zum Rausch in diesen Ländern unüblich
und wird auch schnell gesellschaftlich bestraft. Hierzulande ist man oft
einerseits ”kein richtiger Mann”, wenn man nicht mittrinkt und
andererseits aber ”willensschwach” und ”selbst schuld”,
wenn der Alkoholkonsum problematisch wird.
Kein einheitlicher Verlauf
Alkoholabhängigkeit stellt in den westlichen Industrieländern
eine der häufigsten psychischen Störungen dar. Ungefähr
8% der Erwachsenen weisen irgendwann in ihrem Leben die Kriterien einer
Alkoholabhängigkeit auf, einen gefährlichen Alkoholkonsum zeigen
15,2% der Männer und 8,4% der Frauen. Insgesamt sterben
jährlich 70.000 Menschen in Deutschland an den Folgen ihres
Alkoholkonsums. Anders herum heißt das, dass Alkoholabhängige
im Gegensatz zu gesunden Personen ein vier
bis acht mal so hohes Sterblichkeitsrisiko haben. Allerdings führt
eine Alkoholproblematik nicht zwangsläufig zu einer fortlaufenden
Verschlechterung. In vielen Fällen gibt es einen phasischen Verlauf,
bei dem sich Trink- und Abstinenzphasen abwechseln. Einige Betroffene
schaffen es sogar, ganz ohne Therapie dauerhaft abstinent zu werden oder
auch wieder zu einem kontrollierten Trinken zurück zu kehren.
Anscheinend gibt es bei der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit
auch familiäre bzw. genetische Einflüsse. So haben nahe Verwandte
von Alkoholabhängigen ein drei bis vier mal höheres Risiko,
ebenfalls eine Alkoholproblematik zu entwickeln. Genetische Faktoren erklären
allerdings nur einen Teil des Risikos einer Alkoholabhängigkeit,
ein erheblicher Teil des Risikos ist auf Umwelt- und zwischenmenschliche
Faktoren sowie auf individuelle, innerpsychische Mechanismen bei der Wahrnehmung
und Bewertung von Problemsituationen zurück zu führen.
Alkohol als Folgeerkrankung
Nicht zu vernachlässigen bei der Diagnostik und der Therapieplanung
sind die häufigen Fälle, in denen die Alkoholproblematik Folge
einer anderen zu Grunde liegenden psychischen Störung ist. In solchen
Fällen wird Alkohol von den Betroffenen zunächst eingesetzt,
um die bestehenden Symptome und Beschwerden zu lindern (z. B. bei Ängsten
oder Depression). Nach und nach kann sich die Alkoholabhängigkeit
jedoch auch hier verselbstständigen, so dass es nicht mehr ausreichend
ist, nur die zu Grunde liegende Störung zu behandeln. Allerdings
ist auch nicht zu erwarten, dass durch eine Behandlung der Alkoholproblematik
die ursprünglichen Beschwerden verschwinden. Im Gegenteil ist bei
einer Vernachlässigung der Ursprungssymptomatik ein Rückfall
in die Alkoholabhängigkeit sehr wahrscheinlich. Dies macht deutlich,
dass in diesen Fällen eine kombinierte Behandlung notwendig ist,
die allen bestehenden Problembereichen Rechnung trägt.
Allerdings treten psychische Störungen auch häufig als Folge
einer Alkoholabhängigkeit auf, so dass eine genaue Diagnostik unverzichtbar
ist.
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Das familiäre
Zusammenleben
wird stark
belastet...
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Belastung der Angehörigen
Eine Alkoholabhängigkeit ist in den allermeisten Fällen
eine Störung, durch die das familiäre Zusammenleben stark belastet
wird. Die Angehörigen sehen sich Folgeproblemen, wie Unzuverlässigkeit,
emotionaler Instabilität und Unberechenbarkeit des Betroffenen, finanziellen
Schwierigkeiten oder drohender bzw. tatsächlicher Arbeitslosigkeit
ausgesetzt. Die Häufigkeit von psychischen Störungen bei Angehörigen
von Alkoholabhängigen ist hoch. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit
der Einbeziehung der wichtigsten Bezugspersonen des Betroffenen in die
Behandlung.
Wie wirkt Alkohol im Körper
Alkohol gelangt zunächst in den Magen, wo bereits 20% der Alkoholmenge
über die Magenschleimhaut aufgenommen werden. Die restlichen 80%
gelangen über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf, wo sie innerhalb
weniger Minuten im ganzen Körper verteilt werden. Da Alkohol fettlöslich
ist, kann er die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden und gelangt
so bis ins Gehirn, wo er seine psychotrope Wirkung entfaltet. Innerhalb
von fünf Minuten steigt der Alkoholspiegel des Blutes, der nach ca.
30 Minuten seinen Höhepunkt erreicht. Wird nicht weiter getrunken,
sinkt er von da an durch Abbauprozesse des Körper wieder ab.
Die Abbaugeschwindigkeit von Alkohol ist individuell unterschiedlich
und beträgt zwischen 0,1 und 0,2 Promille in der Stunde.

Der Abbau von Alkohol erfolgt über drei Wege:
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0,5 bis 2% des Alkohols werden
über die Nieren ausgeschieden.
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Ungefähr 5% werden über
die Lunge oder die Haut ausgeschieden. Hierdurch entsteht die bekannte
”Alkoholfahne”. Außerdem ermöglicht dieser
Weg die Bestimmung des Alkoholgehaltes über die Atemluft (”Röhrchenblasen”).
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Ungefähr 95% des Alkohols
werden über die Leber abgebaut. Dieser Abbauprozess funktioniert
über bestimmte körpereigene Enzyme. Alkohol wird chemisch
zu Wasser, Fett und Kohlendioxid verarbeitet. Bei diesem ”Verbrennungsprozess”
entstehen allerdings auch giftige Nebenprodukte, die für die
unangenehmen Nebenwirkungen (”Kater”) verantwortlich sind.
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Körperliche Folgeschäden
Da die größte Menge des Alkohols über die Leber abgebaut
wird, liegen hier auch die größten gesundheitlichen Risiken.
Bei fortgesetztem übermäßigem Alkoholkonsum erreicht die
Leber die Grenzen ihrer Abbaukapazität. Es kommt zunächst zu
einer sogenannten ”Fettleber”, d. h. in den Leberzellen wird
Fett eingelagert. Dadurch kann sich das Volumen der Leber nahezu verdoppeln.
Trinkt der Betroffene weiterhin, kann es zu einer Leberentzündung
kommen, der alkoholtoxischen Hepatitis. In Folge der chronischen Leberentzündung
kommt es zum Zellsterben und zu einem narbigen Umbau, der Leberzirrhose.
Hieran erkranken ca. 15% aller Alkoholiker.
Durch die fortgesetzte Schädigung kann die Leber kaum noch Alkohol
abbauen, der Betroffene verträgt nur noch eine geringe Menge Alkohol,
was von der Umwelt häufig fälschlicherweise als Zeichen der
Besserung gedeutet wird. Im Endstadium der Leberzirrhose kommt es zu einer
langsamen Selbstvergiftung des Körpers, da die Leber ihre Entgiftungsfunktion
nicht mehr wahrnehmen kann.
Neben Leberschäden kann übermäßiger Alkoholkonsum
noch zu zahlreichen anderen körperlichen Folgeerkrankungen führen:
Es kann zu Schädigungen des Gehirns kommen bis hin zum Korsakoff-Syndrom
(Gedächtnis- und Orientierungsverlust), es besteht ein erhöhtes
Risiko für Krebsleiden, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre
sowie für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Außerdem
führt Alkohol zu einem Blutdruckanstieg, was langfristig das Risiko
für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. |
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