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Depressionen haben
eine Vielzahl von
Ursachen...
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Depressionen sind nicht nur vielgestaltig; sie haben auch eine Vielzahl
von Ursachen. Betrachten wir zunächst, welche Faktoren in diesem
Zusammenhang wissenschaftlich untersucht wurden:
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Vererbung
Depressionen treten in manchen Familien gehäuft auf. Diese
Beobachtung lässt daran denken, dass diesen Fällen eine
vererbbare Anlage zur Depression zugrunde liegt. In den letzten
Jahren ließ sich in groß angelegten Studien zeigen, dass
genetische Faktoren tatsächlich eine wichtige Rolle beim Zustandekommen
depressiver Störungen spielen. Dabei handelt es sich, nach
allem was man weiß, um polygene, d.h. durch mehr als ein Gen
angestoßene, Entwicklungen. Ein allein maßgebliches
"Depressionsgen" hat sich bislang nicht finden lassen.
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Neurophysiologie
Die Tatsache, dass die modernen antidepressiven Medikamente sehr
hilfreich sein können, legt die Vermutung nahe, dass es sich
bei Depressionen um Stoffwechselstörungen im Gehirn handelt.
In der Tat spricht eine Vielzahl biologischer Befunde dafür,
dass serotonerge und noradrenerge Nervenzellen (aber auch andere
Systeme) in depressiven Zuständen nicht richtig funktionieren
bzw. in ihrem funktionellen Gleichgewicht gestört sind. Weiterhin
ist bekannt, dass verschiedene hormonelle Regelkreise in der Depression
aus dem Ruder laufen. Besonders eindrucksvoll sind Befunde, die
mittels bildgebender Verfahren Unterschiede zwischen depressiven
und nicht depressiven Gehirnzuständen sichtbar machen.
Zusammen genommen belegen diese Befunde, dass ausgedehnte Bereiche
des Gehirns (u.a. das Frontalhirn, der Schläfenlappen, limbische
Strukturen, Hippocampus und verschiedene Kerngebiete) am Zustandekommen
depressiver Syndrome beteiligt sind. Trotz großer Fortschritte
der biologischen Forschung verfügen wir bis heute über
keine schlüssige biologische Theorie der Gefühle und ihrer
Störungen.
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Persönlichkeit
Hinsichtlich Temperament und Charakter unterscheiden wir uns u.U.
sehr stark voneinander. Menschen, die großen Wert auf Leistung
und Anerkennung legen, sehr perfektionistisch sind oder
viel Wert auf Harmonie legen, laufen stärker als andere Gefahr, Misserfolg und Enttäuschung
zu erleben. Sie suchen dann die Schuld hierfür bei sich und
machen sich für ihr ‚Versagen‘ Vorwürfe.
Dabei kann es sein, dass die an sich selbst gestellten Anforderungen
einfach unerfüllbar hoch waren. Wenn ich sehr hohe Anforderungen
an mich stelle, baue ich eine "Misserfolgsfalle" auf,
vor der es längerfristig kein Entkommen gibt. Wenn ich überdies
versuche, jeden Misserfolg durch noch anspruchsvollere Leistungen
auszugleichen, kommt zwangsläufig der Punkt, an dem ich einfach
versagen muss. Zwischen solchen Persönlichkeitszügen und
Depressionen gibt es einen empirisch gesicherten Zusammenhang: ‚Perfektionisten‘ laufen eher als andere Gefahr, an
depressiven Verstimmungen zu leiden.
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Belastungen, Überforderungen,
Stress
Depressionen treten gehäuft in belastenden Lebensphasen auf.
Es liegt deshalb nahe, das Auftreten depressiver Episoden auf solche
"Auslöser" zurückzuführen. Was alles zum
Auslöser werden kann, hängt weniger von den objektiven
Gegebenheiten der Situation als vielmehr von der individuellen Bewertung
bzw. dem individuellen Erleben ab. Was für den einen kein großes
Problem darstellt, kann einen anderen in die Verzweiflung treiben.
Die belastende, stressige Qualität eines Lebensereignisses
hängt somit von der Lebensgeschichte, dem Selbstverständnis,
den Bedürfnissen und Wünschen und der Art mit Problemen
umzugehen ab, denn diese Faktoren bestimmen, wie eine Person auf
ein Lebensereignis reagiert. Es liegt auf der Hand, dass gehäufte
Belastungen, schwierige Lebensumstände (Arbeitslosigkeit, Krankheit,
Alleinerziehen, u.Ä.) und chronischer Stress
eher eine Depression verstärken, als eine einzelne Belastung bzw. akuter, zeitlich begrenzter
Stress.
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Lerngeschichte, fehlendes Zutrauen
und Können
Wenn Belastungen bei der Entstehung von Depressionen eine Rolle
spielen, dann ist klar, dass auch die Fähigkeit, Belastungen
zu bewältigen, eine Rolle spielt. Unsere Stressresistenz, Bewältigungs-
und Problemlösefähigkeit hängen sicherlich nicht nur
von unseren Erbanlagen bzw. angeborenen Temperamenten ab. Mindestens
ebenso wichtig ist der Lern- und Entwicklungsprozess, der von unserem
genetischen Erbe, aber auch unseren psychosozialen Lebensumständen
seinen Ausgang nimmt. Wir lernen, wie wir mit uns selbst und unseren
Wünschen, den anderen und ihrem Verhalten und mit Belastungen
umgehen.
Je nach Fähigkeit und Strategie, die wir dabei einsetzen, werden
die Resultate unterschiedliche sein. Wenn ich etwa gelernt habe,
Auseinandersetzungen, Herausforderungen und Risiken zu vermeiden,
werde ich kaum lernen können, wie man kritische Situationen
erfolgreich bewältigt. Wenn ich gelernt habe, den Fehler stets
bei mir selbst, die Ursachen für Erfolge hingegen bei den äußeren
Umständen zu suchen, wird es mir schwer fallen, Selbstbewusstsein
aufzubauen. Können und Zutrauen erweisen sich als sehr hilfreich,
wenn es darum geht, kritische Lebenssituationen zu meistern; man
könnte von "protektiven", schützenden Faktoren
sprechen. Geringes Können oder fehlendes Zutrauen sind hingegen
belastend, wenn es darum geht, aus einem Konflikt oder einer Notlage
heil raus zu kommen; man könnte von "Risikofaktoren"
sprechen.
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Pessimistisches Denken, Selbstzweifel
Ein Bereich unseres erlernten Verhaltens ist für die Entstehung
von Depressionen so wichtig, dass er gesondert hervorgehoben werden
soll: Es ist der Inhalt und der Stil unseres Denkens. Die belastende
Qualität von Lebensereignissen hängt, wie erwähnt,
entscheidend von der individuellen Auffassung und Bewertung derselben
ab.
Mit anderen Worten: Mein Denken bestimmt, wie ich eine kritische Situation
auffasse und wie ich auf diese reagiere. Wenn mein Denken eher pessimistischer
Art ist, oder wenn ich sehr daran zweifele, ob ich selbst in der
Lage bin, die Situation zu meistern, dann wird mir die Situation
bedrohlicher und belastender erscheinen, als dies bei optimistisch
gesinnten Gemütern der Fall wäre.
Ähnliche Probleme können vom Denkstil, der Art wie
jemand
denkt, ausgehen: Menschen, die zu einem
rigorosen, absolutistischen
Denkstil neigen, tun sich schwer, Alternativen bzw. Abstufungen
zu entdecken. Wenn ich im Leben in eine Sackgasse gerate, ist ein
Umdenken, ein Suchen nach Alternativen ganz entscheidend, um aus
der Sackgasse wieder heraus zu kommen. Wenn ich zum "entweder-gut-oder-schlecht"-Denken
(Schwarz/Weiß-Malen) neige, dann bewerte ich relativ gute
Ergebnisse eher als schlecht, weil sie nun mal nicht rein weiß
(sondern nur hellgrau) sind. Da kaum jemand ständig perfekt
funktioniert, laufe ich deshalb Gefahr, trotz insgesamt guter Ergebnisse
zu einer negativen Selbsteinschätzung zu kommen. Viele Beobachtungen
sprechen dafür, dass wir solche Grundmuster unseres Denkens
in jungen Jahren erwerben.
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Fehlende positive Aktivitäten
bzw. Erfahrungen
Belastungen können zu Depressionen führen, wie wir gesehen
haben. Was tun wir normalerweise, um uns von den alltäglichen
Belastungen nicht unterkriegen zu lassen? Eine wichtige, vielleicht
die wichtigste Strategie besteht darin, durch positive Erfahrungen,
die ja positive Stimmungen erzeugen, ein Gegengewicht zu den negativen
zu bilden. In der Partnerschaft, mit Freunden in der Freizeit, manchmal
auch bei der Arbeit tun wir Dinge, bei denen sich positive Gefühle
einstellen, weil wir uns bei diesen Aktivitäten positiv erleben
und Anerkennung finden.
Depressive Patienten, die sich in Behandlung begeben, berichten
nahezu regelhaft, dass sie ihre gewohnten freudvollen Aktivitäten
in den letzten Wochen und Monaten vernachlässigt haben.
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Vorliegende Erkennt-
nisse sprechen für
ein Zusammenspiel
verschiedener
Risiko-
faktoren...
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Wie wirken die verschiedenen Faktoren
bei der
Depressionsentwicklung zusammen?
Die aufgezählten Faktoren der Depressionsentstehung sind sehr verschieden.
Führen sie alle auf unterschiedlichen Wegen zu einer Depression?
Oder wirken sie zusammen? Wie können wir uns die offensichtlich vielfältige
Entstehung von Depressionen allgemein vorstellen?
Die bislang vorliegenden Erkenntnisse der Depressionsforschung sprechen
für ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren. Wie dieses aussehen
kann, soll im Folgenden gezeigt werden:
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Aus
genetischen und/oder konstitutionellen Gründen
ist unser Risiko, an einer Depression zu erkranken, unterschiedlich
groß. Menschen mit einem erhöhten Risiko sind ‚verletzlicher‘
(vulnerabler) als andere.
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Frühkindliche
Erfahrungen haben einen großen
Einfluss auf die psychische Entwicklung. Die Bereitschaft, an einer
Depression zu erkranken, kann durch ungünstige Erfahrungen
vergrößert und durch günstige verringert werden.
Dies gilt vermutlich in besonderem Maße für Menschen,
die eine erhöhte genetisch bedingte Vulnerabilität aufweisen.
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Unsere psychische
Entwicklung wird lebenslang
durch Lernerfahrungen beeinflusst. Wir können, wenn wir ‚von
Hause aus‘ vulnerabel sind, lernen, ‚dickfelliger‘
zu werden und Belastungen und Bedrohungen besser zu bewältigen.
Stabile Beziehungen, ein robustes, sich aus mehreren Quellen speisendes
Selbstbewusstsein, ein Netzwerk von Freunden und Verwandten und
die Fähigkeit, bei Belastungen und Irritationen gelassen zu
bleiben, sind dabei sehr hilfreich.
Umgekehrt kann die Lern- und Lebensgeschichte
auch dazu führen, dass die Verletzlichkeit des Betroffenen
zunimmt: Wenn man sich nach Kränkungen, Verletzungen oder Misserfolgen
zurück zieht, den Fehler bei sich sucht, Aktivitäten unterlässt
und Pläne aufgibt, wenig übt, Probleme aktiv zu bewältigen,
sich wenig zutraut und sein Selbstbewusstsein auf nur einen ‚Pfeiler‘,
etwa die Partnerschaft oder den Beruf gründet, dann –
dies liegt auf der Hand – kann man durch eine belastende Veränderung
im Leben leichter aus der Bahn geworfen werden.
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Bei fast
allen erstmaligen depressiven Episoden
lässt sich in den vorausgehenden Wochen und Monaten eine subjektiv
schwerwiegende Belastung feststellen. Es liegt nahe, solche "life
events" (belastende Lebensereignisse) als Auslöser der
Episode anzusehen. Dem Vulnerabilitäts/Stress-Modell zufolge
kommt es zur Depression, wenn der (belastungserzeugte) Stress die
(vulnerabilitäts- und entwicklungsbedingte) Stressbewältigungsfähigkeit
des Betreffenden übersteigt. Bei sehr vulnerablen Menschen
– so dieses Modell – reicht schon eine weniger große
Belastung, um eine depressive Entwicklung in Gang zu setzen; bei
weniger vulnerablen Menschen ist es umgekehrt.
Je häufiger es zu depressiven Episoden kommt, desto seltener
finden sich eindeutige psychosoziale ‚Auslöser‘.
Dies spricht dafür, dass es infolge wiederholter depressiver
Phasen zu psychobiologischen Veränderungen kommt, die die Vulnerabilität
vergrößern.
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Wenn depressive
Symptome erst einmal auftreten,
dann sind die psychologischen und biologischen Auffälligkeiten
bzw. Mechanismen stets sehr ähnlich. Man nimmt deswegen an,
dass verschiedene auslösende Bedingungen
bzw. Entwicklungen in einen relativ einheitlichen Depressionsaufrechterhaltungsprozess
einmünden. Auffällig ist, dass dieser
Aufrechterhaltungsprozess
wie eine Falle
wirkt. Wenn man erst einmal in sie hinein getreten ist, dann kommt man nicht so leicht wieder aus der depressiven
Entwicklung heraus. Je mehr die depressiven Symptome zunehmen, desto
stärker wird die Depression selbst zu einem, das Problem aufrechterhaltenden
Stressor.
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Allgemeines
Depressionsmodell |
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In allgemeiner Form kann man das beschriebene integrative
Modell der Depressionsentstehung folgendermaßen graphisch
darstellen:
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Man braucht
ein Konzept,
ein
Leitbild...
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Im Teufelskreis der Depression
Um sich mit der Depression erfolgreich auseinandersetzen zu können,
muss man wissen, wo man
ansetzen kann. Man braucht
ein Konzept, ein Leitbild, das einem sagt, welche Maßnahmen günstig
und welche ungünstig im Umgang mit der Depressionsproblematik sind.
Dabei ist es wichtig, die zeitlich unter Umständen weit zurückliegenden
Entstehungsbedingungen von den aktuell wirksamen aufrechterhaltenden Bedingungen
zu unterscheiden, denn nur eine effektive Veränderung der aufrechterhaltenden
Bedingungen ist geeignet, einem kurzfristig weiter zu helfen. Die Entstehungsbedingungen
lassen sich nun mal nicht verändern.
In der psychotherapeutischen Arbeit geht es um psychologische Vorgänge,
um Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen. Wir brauchen deshalb ein
psychologisches Störungsmodell,
das folgenden Anforderungen genügt: Es sollte auf wissenschaftlichen
Erkenntnissen aufbauen, sollte die biologischen Erkenntnisse der Depressionsforschung
in psychologische Konzepte übersetzen und es sollte eine effektive
Form der psychotherapeutischen Depressionsbehandlung begründen. Nach
unserer Einschätzung genügt das kognitive Modell der Depression
diesen Anforderungen am besten.
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...wie wir die Dinge
wahrnehmen, auffas-
sen und bewerten,
hat großen
Einfluß
auf unser Befinden...
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Das kognitive Modell der Depression
Die Grundidee der kognitiven Psychologie ist sehr gut bestätigt:
Die Art und Weise, wie wir die Dinge wahrnehmen, auffassen und bewerten,
hat großen Einfluss auf unser Befinden und unser Verhalten.
Nicht das objektive Ereignis, sondern meine Deutung des Ereignisses bestimmt,
wie ich auf das Ereignis reagiere. In Bezug auf unsere Stimmung ist uns
dieser Zusammenhang aus dem Alltag bestens vertraut: positiv bewertete
Ereignisse ("Mein Glas ist noch halb voll")
heben die Stimmung, negativ bewertete ("Mein Glas ist schon halb
leer") bewirken das Gegenteil.
Was liegt solchen Bewertungen zugrunde? Es ist – so lautet die Antwort
– das kognitive System, die
Grundannahmen, Lebenspläne und Schemata der Person, die ihr Denken
und damit auch ihr Fühlen und Handeln steuern.
Der eigentliche Teufelskreis der Depression besteht in der aufschaukelnden
Wirkung der negativen automatischen Gedanken:
Die negativen Gedanken beunruhigen, deprimieren und demoralisieren einen.
Die so entstehenden depressiven Symptome verstärken die negativen
Gedanken, die einem immer unabweisbarer erscheinen, weil die desolate
Situation sie zu bestätigen scheint.
Neben diesem zentralen Teufelskreis können weitere Rückkoppelungsschleifen
einrasten: In der beginnenden Depression reagieren viele mit Inaktivität
und sozialem Rückzug. Dies hat zwangsläufig zur Konsequenz,
dass die ansonsten möglichen positiven Erfahrungen ("Ich kann
immerhin noch arbeiten.") und Rückmeldungen ("Komm, lass
uns was unternehmen, damit Du auf andere Gedanken kommst!") ausbleiben.
Die Gesamtbilanz positiver und negativer Erfahrungen wird immer negativer.
(Die Fachleute sprechen von "Verstärkerverlust"). Es fehlt
jedes Gegengewicht, um die depressionsbedingten Belastungen auszugleichen.
Dies verstärkt natürlich die depressive Symptomatik, die Neigung
zu negativen Gedanken und die Passivitäts- und Rückzugstendenz.
Ein weiterer Nebeneffekt: die Aufmerksamkeit bleibt nach innen gerichtet,
was zur Folge hat, dass man den negativen Gedanken noch stärker ausgeliefert
bleibt. Schließlich schlägt die Depression auf körperliche
Vorgänge durch: mehr und mehr biologische Mechanismen der Depression
übernehmen die Regie.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2011
Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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