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DIE THERAPIE DER DEPRESSION |
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Es gibt eine Vielzahl
auf körperliche
Depressionsmecha-
nismen
zielende
Behandlungswege...
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Die psychotherapeutische Behandlung einer ernsten Depression verlangt
dem Patienten einiges ab. Es ist deshalb unverzichtbar, eine entsprechende
Therapiemotivation zu entwickeln. Zu diesem Zweck muss der Patient –
so das Konzept der Christoph-Dornier-Klinik
- eine klare, schlüssige und ihn überzeugende Vorstellung von
den Mechanismen seiner Depression und den sinnvollen Behandlungsschritten
entwickeln. Der erarbeitete Behandlungsweg muss ihm gangbar und aussichtsreich
erscheinen. Wieso sollte er sich sonst auf ein schwieriges und belastendes
Unternehmen einlassen?
Die gemeinsame Erarbeitung des individuellen Störungsmodells, ähnlich
etwa Peters Störungsmodells, ist bereits ein wichtiger therapeutischer
Schritt. Denn das Störungsverständnis ermöglicht Übersicht
und Orientierung und unter Umständen ein wenig Hoffnung. Dank meiner
Neuorientierung kann ich anfangen, die Demoralisierung zu überwinden,
die daher rührt, dass ich ratlos und desorientiert bin und beim besten
Willen nicht weiß, was mir überhaupt helfen könnte. Die
Einsicht, dass es einen gangbaren Weg raus aus der Depression gibt und
dass begründete Aussicht auf Besserung besteht, bedeutet Hoffnung,
und Hoffnung ist gut für die Stimmung.
Ehe wir uns der Darstellung der wichtigsten depressionsspezifischen Behandlungsverfahren
widmen, gilt es, eine therapiestrategische Frage zu klären: Soll
die Behandlung allein psychotherapeutischer Art sein oder soll eine Kombinationsbehandlung
mit antidepressiven Medikamenten versucht werden?
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Manche Patienten haben starke Vorbehalte gegen Medikamente, andere setzen
von vornherein ihre Hoffnung auf eine medikamentöse Behandlung. Uns
ist es wichtig, den Patienten auch in Fragen der medikamentösen Behandlung
zum Experten zu machen, um die Entscheidung für oder gegen Medikamente
gut begründet treffen zu können. Hierzu gehört, dass der
Patient weiß, was es für Medikamente gibt, was bestimmte Medikamente
erreichen und nicht erreichen können, mit welchen Nebenwirkungen
zu rechnen ist, wie lange Medikamente ggf. genommen werden sollten, u.s.w..
Ganz allgemein kann man sagen: Sowohl Psychotherapie als auch Pharmakotherapie
sind geeignet, depressive Syndrome deutlich zu bessern. Einer ganzen Anzahl
von Studien zufolge hat Psychotherapie dabei den größeren antidepressiven
Effekt. Medikamente sind um so wirksamer, je ausgeprägter die körperlichen
Symptome der depressiven Episode sind und um so schwerer die Depression
ist. Der entscheidende Vorteil der Psychotherapie besteht darin, dass
sie das längerfristige Rückfallrisiko positiv beeinflussen kann.
Eine Reihe neuerer Untersuchungen zeigen, dass bereits einige Stunden
kognitiver Verhaltenstherapie einen günstigen Einfluß auf den
Verlauf depressiver Störungen haben können. Die Kombination
von Antidepressiva und Psychotherapie hat, anders als man vermuten würde,
keinen eindeutig additiven, die Wirkungen beider Behandlungen zusammenführenden
Effekt. In schweren oder hartnäckigen Fällen depressiver Störungen
ist die Kombinationsbehandlung dennoch eindeutig zu empfehlen.
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A
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Somatische
Behandlungsmöglichkeiten
der Depression
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Es gibt mittlerweile eine Vielzahl somatischer, auf die Veränderung
körperlicher Depressionsmechanismen zielende Behandlungsmethoden.
Zu diesen zählen in erster Linie eine Anzahl zugelassener Antidepressiva
sowie weitere bei Depressionsbehandlungen eingesetzte Medikamente (Beruhigungs-
und Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, Neuroleptika, Phasenprophylaktika,
Hormone und mehr) und seltener eingesetzte Behandlungsverfahren wie die
Elektrokrampftherapie, die transkranielle Magnetstimulation, die Schlafentzugstherapie
und die Lichttherapie.
Das wichtigste und am häufigsten eingesetzte somatische Behandlungsverfahren
ist der Einsatz von Antidepressiva.
Die nachfolgende Aufzählung gibt einen Überblick über die
wichtigsten Gruppen der Antidepressiva, einige bekannte Vertreter der
verschiedenen Gruppen sowie deren Vor- und Nachteile.
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Die trizyklischen Antidepressiva
(TCA)
Bei den TCA handelt es sich um kombinierte Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer,
die als gut wirksam anzusehen sind. Zu ihren Nachteilen zählen
eine relativ lange Wirkungslatenz (Dauer, bis die antidepressive
Wirkung einsetzt) von 4 bis 6 Wochen und eine relativ hohe Nebenwirkungsrate.
Aufgrund der Nebenwirkungen werden die TCA oft zu niedrig dosiert,
um ihre volle Wirkung entfalten zu können. Bei älteren
oder körperlich kranken Patienten ist aufgrund bestimmter Nebenwirkungen
Vorsicht geboten. Zu den bekanntesten TCA zählen Amytriptillin
(Saroten), Doxepin (Aponal), Clomipramin (Anafranil) und Nortriptillin
(Nortrilen).
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Die selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer
(SSRI)
Bei den SSRI handelt es sich um gut wirksame, dabei nebenwirkungsärmere
Antidepressiva. Die Wirkungslatenz der SSRI ist deutlich kürzer
als bei den TCA. Risikopatienten können aufgrund des günstigeren
Nebenwirkungsprofils eher auf SSRI eingestellt werden. Zu den bekanntesten
SSRI zählen Fluoxetin (Fluctin), Paroxetin (Seroxat), Sertalin
(Zoloft) und Citalopram (Cipramil).
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Die Monoaminooxidasehemmer (MAOI)
Die MAOI sind ebenfalls gut wirksame und nebenwirkungsarme Antidepressiva.
Allerdings müssen Patienten, die den irreversiblen MAOI Tranylcipromin
(Jatrosom) einnehmen, eine tyraminarme Diät einhalten und auf
reifen Käse und einige andere Lebensmittel verzichten. Dieses
Problem besteht bei dem reversiblen MAOI Moclobemid (Aurorix) nicht.
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Weitere Antidepressiva
In den letzten Jahren sind weitere, hinsichtlich ihrer biologischen
Wirkungsmechanismen heterogene Antidepressiva auf den Markt gekommen.
Die meisten dieser Medikamente haben eine gute antidepressive Wirkung,
bei mäßig ausgeprägten Nebenwirkungen. Zu nennen
sind u.a.: Mirtazapin (Remergil), Venlafaxin (Trevilor) und Nefazodon
(Nefadar).
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Nur Psychotherapie
ist geeignet,
...das Rückfallrisiko
zu senken...
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B
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Psychologische
Behandlungsverfahren
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Der Königsweg der Depressionstherapie ist
unserer Einschätzung nach der psychotherapeutische.
Denn nur Psychotherapie ist geeignet, die depressionsfördernden Wahrnehmungs-,
Denk- und Bewertungsmuster und den depressiogenen Verhaltensstil nachhaltig
zu verändern und damit das Rückfallrisiko zu senken. Die Art
von Psychotherapie, die dieses Ziel am wirksamsten erreicht, ist nachweislich
die kognitive Verhaltenstherapie.
Die kognitive Verhaltenstherapie verfügt über eine Anzahl wirksamer,
störungsspezifischer Behandlungsmethoden. Welche von diesen Methoden
zum Einsatz kommen sollte, hängt von den individuellen Gegebenheiten
einer Depression ab, die im Rahmen der Diagnostik ermittelt werden. Aus
Platzgründen werden wir uns auf die Darstellung von vier wichtigen
Behandlungsverfahren beschränken: die Informationsvermittlung (Psychoedukation),
den Aktivitätsaufbau, die kognitive Therapie und die Rezidivprophylaxe.
Information des Patienten
Am Anfang jeder Behandlung steht die Information des Patienten. Der Patient
muss wissen, was er für eine Störung hat, wie die Störung
funktioniert und was man gegen die Störung tun kann. Wie sollte er
sich sonst aus eigener Einsicht für oder gegen eine Behandlung entscheiden
können?
Die Erarbeitung des individuellen Störungsmodells bzw. Behandlungsprogramms
hat bereits therapeutischen Wert. Da Patienten bezüglich ihrer Depression
oft ratlos und desorientiert sind, sich als hilflos erleben und aufgrund
dieser Umstände demoralisiert und verzweifelt sind, ist die bloße
Information über die Krankheit ("Psychoedukation") bereits
geeignet, eine Neuorientierung zu ermöglichen. Der Patient bekommt
eine Vorstellung davon, was, auf welchem Weg, in welchem Zeitraum machbar
ist. Er schöpft wieder Hoffnung und plant seine nächsten Schritte.
Der lähmende Eindruck der Aussichts- und Hoffnungslosigkeit lässt
sich auf diese Weise überwinden.
Die Psychoedukation umfasst mehr, als die anfängliche Erarbeitung
des individuellen Störungsmodells. Mit fortschreitender Therapie
werden immer genauere und detailliertere Vorstellungen von den auslösenden
und aufrechterhaltenden Bedingungen der Depression entwickelt. Zu diesen
zählen u.a. Persönlichkeits- und Temperamentseigenschaften,
biographische Belastungen, das kognitive
System des Patienten, seine bisherigen Bewältigungsstrategien und
deren Wirksamkeit bzw. Unwirksamkeit, Verstärkerverlust und Sozialverhalten.
Dabei wird der Patient dazu angehalten, zu seinem ‚eigenen Therapeuten‘
zu werden und sich zu überlegen, wie sich die identifizierten Problemmuster
am ehesten korrigieren lassen. Von therapeutischer Seite fließen
dabei die Erkenntnisse der Depressionsforschung ebenso ein wie die Erfahrungen
anderer Patienten. Oft ist ein gruppentherapeutisches
Setting, in dem die typischen Mechanismen depressiver Störungen
mit mehreren Patienten diskutiert werden, gut geeignet, einem die Augen
zu öffnen. Probleme, die ich bei mir selbst schlecht erkennen kann,
weil sie meinen Blick auf mich selbst trüben, kann ich u.U. bei anderen,
die ihren Fall darstellen, leichter erkennen. Mit der Zeit hilft mir dies,
eine Analogie zu bilden und so den ‚blinden Fleck‘ zu überwinden.
In der Christoph-Dornier-Klinik
erfolgt die Informationsvermittlung bei depressiven Patienten sowohl in
Einzel- als auch in Gruppentherapie. In der Einzeltherapie steht diesbezüglich
die Erarbeitung des individuellen Störungsmodells bzw. Behandlungsplans
im Vordergrund. In der Depressionsgruppe werden die wichtigsten Zusammenhänge
in allgemeiner Form erarbeitet und gemeinsam diskutiert. Auf diese Weise
kommen deutlich mehr Gesichtspunkte und Perspektiven zum Tragen.
Oberstes Ziel all dieser Bemühungen ist es, den Patienten zunächst
zum Experten für depressive Störungen und deren Bewältigung
zu machen. Wirklich überzeugt wird der Patient jedoch nur dann sein,
wenn er die vermittelten Methoden auch erfolgreich angewandt hat. Denn
nur aus der wiederholten Erfahrung, es selbst zu können, erwächst
ein stabiles Selbstvertrauen ("Selbstwirksamkeitsüberzeugungen").
Wie wir den Schritt von der Einsicht zum Handeln und vom wiederholten
erfolgreichen Handeln zur Selbstwirksamkeit zu vollziehen versuchen, wird
in den nächsten Abschnitten zu finden sein.
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Inaktivität und
Rückzug bedingen
und verstärken
depresssive
Stimmungen...
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Die Stimmungswaage der Depression |
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Aktivitätsaufbau
Depressive Menschen sind oft inaktiv, ziehen sich zurück und vernachlässigen
die Dinge, die ihnen bislang wichtig gewesen sind bzw. Spaß gemacht
haben. Sie erkennen dabei nicht, dass es in hohem Maße Inaktivität
und Rückzug sind, die depresssive Stimmungen bedingen, verstärken
und aufrechterhalten. Es ist deshalb zunächst wichtig, ein Verständnis
der Zusammenhänge zu erarbeiten: Positive Stimmungen und Gefühle
entstehen bei angenehmen Aktivitäten. Zu wenige oder gar fehlende
angenehme Aktivitäten führen hingegen in einen depressionsfördernden
Teufelskreis: Wenn ich inaktiv bin, passiert nichts, was mir Freude machen
könnte. Bin ich bereits deprimiert, können sich meine negativen
Gedanken und Stimmungen (dank meiner Inaktivität) ungehemmter ausbreiten.
Insbesondere die Möglichkeit, durch den Kontakt zu anderen auf andere
Gedanken zu kommen, wird durch den sozialen Rückzug verhindert.
Man kann den Zusammenhang zwischen Stimmung und Aktivität bzw. Belastung
anhand eines einfachen Modells erklären, der
Stimmungswaage.
Um auf Dauer funktions- und lebensfähig zu sein, so die Aussage
dieses Modells, müssen sich angenehme und unangenehme, belastende
und erfreuliche Erlebnisse in etwa die Waage halten. Da in der Depression
die depressive Symptomatik selbst schon sehr belastend ist und die auslösenden
Probleme meist noch fortbestehen, muss dringend ein Gegengewicht aus angenehmen,
positive Stimmungen erzeugenden Aktivitäten gebildet werden. Hilfreich
ist es, wenn es zudem gelingt, die Anzahl unangenehmer, depressionsfördernder
Aktivitäten und Belastungen zu reduzieren.
Wie lässt sich diese Doppelstrategie in die Tat umsetzen? Auf der
"Soll"-Seite geht es zunächst darum, gemeinsam mit dem
Patienten zu prüfen, welchen Verpflichtungen (z.B. Pflege des bettlägrigen
Vaters) er sich für einige Zeit entziehen kann bzw. welche Belastungen
(z.B. Ehestreitigkeiten) sich fürs erste vermeiden lassen. Auf der
"Haben"-Seite geht es darum, die Inaktivität zu überwinden,
wieder etwas Sinnvolles zu tun und sich dabei verstärkt um besonders
angenehme Aktivitäten (z.B. Hobbys oder alte Lieblingsbeschäftigungen)
zu bemühen.
Am wichtigsten (weil am wirksamsten) ist es, die Rate positiver Aktivitäten
zu erhöhen. Dies führt nicht nur zu besserer Stimmung, sondern
bildet den Anfang des Bemühens, den Teufelskreis der Depression aufzuhalten
und zurück zu drehen. Dies praktisch umzusetzen ist viel schwieriger,
als man zunächst denken mag. Gerade nach langen Phasen der Depression
fällt es den Betroffenen schwer, sich angenehme Tätigkeiten
auch nur vorzustellen, geschweige denn diese auszuführen. Diese Schwierigkeit
des therapeutischen Aktivierungsprozesses lässt sich mit einem großen,
schwer beladenden Wagen vergleichen: Wenn man diesen aus dem Stand anzuschieben
beginnt, fällt dies sehr schwer und bedarf aller vorhandenen Kraft.
Wenn der Wagen jedoch erst mal zu rollen begonnen hat, dann fällt
das Schieben immer leichter. Bei richtiger Reisegeschwindigkeit stehen
Anstrengung und Vorwärtskommen schließlich in einem günstigen
Verhältnis.
Einige wichtige Nebenaspekte des Aktivitätsaufbaus seien kurz erwähnt.
Für depressive Patienten, die leistungs- und erfolgsorientiert sind,
stellt die depressionsbedingte Inaktivität eine zusätzliche
Belastung dar: Sie erleben sich als leistungsunfähig und erfolglos
und bewerten sich deshalb zusätzlich negativ. Mit der Aktivierung
wird es möglich, diese Selbstabwertung zumindest schrittweise zu
überwinden. Denn, diese Einsicht wird mit dem Aktivitätsaufbau
immer unabweisbarer, man tut wieder was, der Tag ist wieder ausgefüllt
und das, was man tut, gelingt einem meistens auch. Man kann so anfangen,
wieder an sich, seine Fähigkeiten und die Möglichkeit, die Depression
zu überwinden, zu glauben.
Jeder Mensch erschließt im Laufe seines Lebens Quellen der Freude,
der Entspannung und der Selbstzufriedenheit. Dies können bestimmte
Aktivitäten, Orte oder Talente, Hobbys oder Veranstaltungen sein.
In der Depression ist der Zugang zu diesen ‚Kraftquellen‘ -
die Fachleute sprechen von "Ressourcen" - oft verschüttet.
Man hat es lange nicht mehr gemacht, man traut es sich nicht mehr zu oder
man hält sich selbst mittlerweile für unwürdig, um zu einer
dieser alten Quellen zurückzukehren. Es kann außerordentlich
hilfreich sein, diesen Widerstand zu überwinden und den Patienten
in der Therapie zur Wiederannäherung an eine seiner Quellen zu bewegen.
Erfolgreiche "Ressourenaktivierung" tut nicht nur gut; sie gibt
einem auch die Kraft, die man braucht, um weitere therapeutische Schritte
zu unternehmen.
In der Christoph-Dornier-Klinik
findet der Aktivitätsaufbau bzw. die Ressourcenaktvierung überwiegend
in der Einzeltherapie statt. Neben
der genauen Analyse der depressiven Verhaltensdefizite und ursprünglichen
Ressourcen obliegt es ihr zunächst, gemeinsam mit dem Patienten einen
aktiveren Tagesplan mit fest eingeplanten Aktivitäten aufzustellen.
Je schwerer dem Patienten anfangs die Umsetzung des Aktivitätenplans
fällt, desto mehr muss er dabei einzeltherapeutisch unterstützt
werden. In dieser Phase ist die Teilnahme an der morgendlichen
Aktivierungsgruppe hilfreich, denn körperliche Aktivität
hilft einem, die Antriebs- und Lustlosigkeit zu überwinden. Je mehr
es dem Patienten gelingt, aktiver zu sein und selbständig etwas zu
unternehmen, desto anspruchsvollere und damit i.d.R. auch lustvollere
Unternehmungen und Aktivitäten werden in den Aktivitätsplan
aufgenommen. Mit Hilfe einer systematischen Auswertung der Stimmungsveränderungen
im Verlauf des Aktivitätenaufbaus lernt der Patient, dass auch er
selbst es in der Hand hat, was mit seiner Stimmung und mit seinem Zutrauen
geschieht.
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...es entsteht ein
starres, sich
beständig selbst
bestätigendes
negatives
Denksystem...
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Kognitive Therapie der Depression
Unser Denken beeinflusst unsere Stimmung. Wer ein Ereignis als Niederlage,
das eigene Verhalten als unqualifiziert, sich selbst als Versager und
die Reaktionen der anderen als Bestätigung dieser Einschätzungen
erlebt, der wird sich nicht erfreut, sondern gedrückt zeigen. In
der Depression gewinnen Wahrnehmung, Auffassung, Erinnern, Bewerten und
Schlussfolgern die Qualität eines starren, sich beständig selbst
bestätigenden negativen Denksystems. Ohne dass an diesem Denksystem
therapeutisch etwas geändert wird, ist es schwer, aus der Depression
wieder raus zu kommen.
Wie ein solches Denksystem funktioniert, haben wir im Abschnitt "Im
Teufelskreis der Depression" gesehen. Das Grundmuster geht auf kindliche
Erfahrungen bzw. entsprechende Theorien zurück; die im bewussten
Denken vorherrschenden Themen werden meist durch aktuelle Problemlagen,
Ereignisse und Konflikte bestimmt. Um die Depression zu bessern, muss
der Betroffene anfangen, sich aus dem Griff dieses Systems zu befreien.
Er muss lernen, sich den automatischen negativen Gedanken entgegen zu
stellen, diese zu hinterfragen und zu überprüfen; er muss lernen,
willkürliche Schlussfolgerungen und Verallgemeinerungen zu erkennen
und zu korrigieren; und er sollte schließlich lernen, Alternativen
zu seinen problematischen Grundannahmen zu erproben.
In der Christoph-Dornier-Klinik wird die kognitive Therapie in Einzeltherapie durchgeführt. Dabei
ist es von großem Vorteil, dass wir in kurzer Zeit (3 - 4 Wochen),
sehr intensiv (mehrere
Stunden am Tag) und zugleich an den individuellen
Erfordernissen orientiert therapieren können: Die kognitiven Systeme
unserer oft schwer kranken Patienten sind hartnäckig und veränderungsresistent.
Es würde deshalb sehr lange dauern, wollte man einen Veränderungsprozess
mit nur ein oder zwei Stunden Therapie pro Woche anstoßen. So aber
ist es möglich, dem Patienten relativ schnell umwälzende Erfahrungen
zu ermöglichen.
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Rezidivprophylaxe
Depressionen sind typischerweise phasenhaft verlaufende Erkrankungen.
Dies bedeutet, dass es selbst nach einer erfolgreichen, die psychologischen
Wurzeln der Störung erkennbar verändernden Therapie wieder zu
einer Depression kommen kann. Gerade sehr erfolgreiche Patienten erleben
einen solchen ‚Rückfall‘ (Rezidiv) als peinliche Niederlage. Um auf diesem
Wege nicht wieder in eine Misserfolgsfalle zu geraten, muss der Patient
gewarnt sein und im Fall der Fälle rechtzeitig Gegenmaßnahmen
einleiten.
Im Rahmen der Rezidivprophylaxe wird gewissermaßen ein ‚Notfallkoffer‘
gepackt, den ich aus der Therapie mitnehme. Der Notfallkoffer sollte alles
enthalten, was ich brauche, um mir im Notfall selbst zu helfen. Hierzu
gehört zunächst eine Definition des Notfalls: Woran kann ich
einen depressiven Einbruch erkennen? Wie sehen die Frühsymptome meiner
Depression aus? Wie kann ich harmlose Stimmungsschwankungen von beginnender
Depression unterscheiden? Weiterhin enthält der Notfallkoffer einen
gestuften Notfallplan. Dieser Plan legt genau fest, was ich in welcher
Situation tun sollte: Ist es gerechtfertigt, zunächst noch abzuwarten?
Ab welchem Punkt sollte ich bestimmte Therapiemodule selbständig
anwenden? Wann sollte ich meine Therapeutin anrufen bzw. meinen Psychiater
kontakten? Wann ist es notwendig, wieder auf das erfolgreiche Medikament
zurückzugreifen? Es ist generell zweckmäßig, sich im Notfall
auf vertraute und bewährte Schritte bzw. Hilfsmittel zu verlassen.
Notfallpläne sollten deshalb auf den individuellen Fall zugeschnitten
sein.
In der Christoph-Dornier-Klinik
werden nicht nur individuelle ‚Notfallkoffer‘ gepackt; wir bieten
unseren Patienten zugleich an, sie während der ersten sechs Wochen
nach Entlassung im Rahmen der sogenannten
Selbsterprobungsphase therapeutisch
zu begleiten. Denn selbst wenn man in der Klinik mit dem neuen Verhalten
sehr gut klar gekommen ist, kann dessen Fortsetzung einem zu Hause sehr
schwer fallen. Dies liegt u.a. daran, dass das alte System durch
die Umgebungsbedingungen zu Hause ganz automatisch aktiviert wird. Dieser
Praxistest erfordert deshalb noch einmal verstärkte Anstrengungen,
um das neue System abzusichern. - Auch nach den sechs Wochen können
sich unsere Patienten selbstverständlich jederzeit melden, wenn sie
das Gefühl haben, unsere Hilfe zu brauchen.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2011
Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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