CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR PSYCHOTHERAPIE
 


DIE DIAGNOSEN DER DEPRESSION
Störungsdiagnosem |  Differentialdiagnostische Abgrenzung


Depressive

Verstimmungen

gelten als psychische

Störungen und

damit als krankhaft...

Es liegt auf der Hand, dass depressive Beschwerden in unterschiedlichen Ausprägungsgraden auftreten können. Damit stellt sich die Frage, ab welchem Schweregrad von einer Depression im eindeutig krankhaftem Sinne zu reden ist. Die offizielle Antwort auf diese Frage wird von den anerkannten Krankheitsdefinitionen gegeben: Depressive Verstimmungen gelten als psychische Störungen und damit als krankhaft, wenn sie die Betroffenen erheblich beeinträchtigen und behindern. Erheblich beeinträchtigt und behindert in diesem Sinne ist, wer seinen alltäglichen Anforderungen depressionsbedingt nicht mehr genügen kann.

Innerhalb des weiten Feldes krankhafter depressiver Verstimmungen lassen sich verschiedene Störungstypen unterscheiden. Die folgende Auflistung dieser Unterformen der Depression ist der in Deutschland maßgeblichen Krankheitslehre der Weltgesundheitsorganisation entnommen. Es handelt sich um die 10. Revision der "International Classification of Diseases" – kurz: "ICD 10" -, die 1992 veröffentlicht wurde und seit 1999 in Deutschland verbindlich ist.


























 

Folgenden Formen der Depression sind laut ICD 10 zu unterscheiden:

Depressive Episode (F 32)
Eine depressive Episode ist eine Phase mehr oder weniger ausgeprägter Depressivität. Die Betroffenen leiden für mindestens zwei Wochen unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und einer Verminderung des Antriebs. Die Verminderung der Energie führt zu erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung. Weitere häufige Symptome sind: Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, Schlafstörungen und verminderter Appetit.

Die gedrückte Stimmung ändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert meist nicht auf die jeweiligen Lebensumstände, kann aber charakteristische Tagesschwankungen aufweisen. In einigen Fällen stehen zeitweilig Angst, Gequältsein und motorische Unruhe mehr im Vordergrund als die eigentliche Depressivität. Die Stimmungsänderung kann durch zusätzliche Symptome wie Reizbarkeit, exzessiven Alkoholgenuss, histrionisches Verhalten, Verstärkung früher vorhandener phobischer oder zwanghafter Symptome oder durch hypochondrische Grübeleien verdeckt sein.
Bei manchen depressiven Episoden stehen körperliche Beschwerden im Vordergrund. Zu diesen zählen typischerweise: Interessenverlust oder der Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten, mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse zu reagieren, frühmorgendliches Erwachen, ein Morgentief, motorische Hemmung (Verlangsamung) oder Agitiertheit (Unruhe), Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust.

Rezidivierende depressive Störung (F 33)
Von rezidivierenden depressiven Störungen spricht man, wenn wiederholte depressive Episoden auftreten. Die einzelnen Episoden dauern unbehandelt zwischen 3 und 12 Monaten. Zwischen den Episoden ist die Besserung meist vollständig. Die einzelnen Episoden werden (insbesondere in der frühen Phase der Erkrankung) durch belastende Lebensereignisse ausgelöst. Einzelne Episoden und wiederkehrende Depressionen treten in den meisten Kulturkreisen bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern auf.

Dysthymia (F 34.1)
Bei der Dysthymia oder Dysthymie handelt sich um eine anhaltende, leichtere Form der depressiven Verstimmung, die durch Phasen des Wohlbefindens unterbrochen sein kann. Typischerweise klagen die Betroffenen jedoch über monatelang anhaltende Müdigkeit und Depressivität; alles ist für sie eine Anstrengung, nichts wird genossen. Sie grübeln und beklagen sich, schlafen schlecht und fühlen sich unzulänglich, sind aber in der Regel aber noch fähig, mit den wesentlichen Anforderungen des täglichen Lebens fertig zu werden.

Postpartum-Depression ("Wochenbettdepression"; F 53.0)
Die häufig nach der Entbindung auftretenden Verstimmungen können das Ausmaß einer depressiven Episode annehmen. Man spricht dann von einer Pastpartum-Depression.

Organische affektive Störungen (F 06.3)
Wenn depressive Episoden Folge einer körperlichen Erkrankung (etwa bestimmten Gehirnerkrankungen) sind, spricht man von organischen Depressionen.

Anpassungsstörungen (F 43.2)
Auch nach belastenden Lebensereignissen kann es zu depressiven Reaktionen kommen. Typische Beispiele für solche depressiven Anpassungsstörungen sind depressive Verstimmungen, die sich nach der Mitteilung schwerwiegender Diagnosen (z.B. Krebs) oder nach einschneidenden Lebensveränderung (z.B.
Tod des Partners) einstellen.

Sonstige Affektive Störungen (F 38)
Wenn sich eine ernsthafte depressive Verstimmung keiner der genannten Kategorien zuordnen lässt, bleibt die Möglichkeit, sie als Sonstige affektive Störung zu diagnostizieren.






Differentialdiagnostische Abgrenzung

Neben diesen ‚reinen‘ depressiven Zuständen können depressive Phänomene auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Depressive Verstimmungen können grundsätzlich bei allen schweren psychischen Störungen und bei vielen körperlichen Erkrankungen auftreten.

Zu den häufigsten psychischen Störungen, bei denen depressive Verstimmungen häufiger auftreten, gehören Angststörungen, Zwangsstörung, Somatisierungsstörungen, Substanzmissbrauch, insbesondere Alkoholismus, Anorexie und Bulimie, die bipolaren affektiven Störungen, schizoaffektive Psychosen, schizophrene Psychosen und Persönlichkeitsstörungen.

An körperlichen Erkrankungen, die gehäuft mit depressiven Verstimmungen einher gehen sind zu nennen: Hormonstörungen, Infektionskrankheiten, die das Gehirn befallen, ‚rheumatische‘ Erkrankungen, bestimmte Vitaminmangelzustände (z.B. Vitamin B1- und B12-Mangel), neurologische Erkrankungen, schwere Herz- und Lungenkrankheiten und Tumorleiden.

Auch die Einnahme von Medikamenten kann zu depressiven Verstimmungen führen. Dies ist am häufigstem bei Schmerzmitteln, Antibiotika, Psychopharmaka, Antihypertensiva, Herzmitteln, Zytostatika und Drogen der Fall.

In der Christoph-Dornier-Klinik ist eine Behandlung solcher Depressionen sinnvoll, die nicht ausschließlich auf eine noch unbehandelte körperliche Grunderkrankung zurückzuführen sind. Darüber hinaus ist die Therapie in unserer Klinik so konzipiert, dass sie ein Mindestmaß an Absprachefähigkeit der Patienten voraussetzt. Aus diesem Grund ist eine Behandlung von Patienten, die akut suizidal sind, unter einer akuten Psychose leiden oder abhängig von Alkohol oder Drogen sind, in unserem Hause nicht indiziert. Drüber hinaus sind wir personell nicht auf die Behandlung von pflegebedürftigen Personen eingerichtet. Ob im Einzelfall eine Behandlung in der Christoph-Dornier-Klinik sinnvoll ist, lässt sich aber am besten im Rahmen des von uns angebotenen Diagnostiktages überprüfen.

Der von der Christoph-Dornier-Klinik angebotene Diagnostiktag dient bei Patienten mit depressiven Symptomen dazu, um ein mögliches depressives Syndrom richtig einzuordnen bzw. von anderen Krankheiten abzugrenzen? Dies kann nur auf dem Wege einer umfassenden Diagnostik und Differentialdiagnostik geschehen.Wir empfehlen bei depressiven Syndromen neben einer genauen Anamnese und psychiatrischer Befunderhebung die Durchführung einer Reihe psychologischer und somatischer Untersuchungen.

Zum Standardprogramm der psychologischen Untersuchungen gehört ein standardisiertes diagnostisches Interview sowie Fragebögen, die die allgemeine Psychopathologie, die depressiven Beschwerden und die allgemeine Funktionsfähigkeit abbilden. Je nach Befund sollten darüber hinaus weitere Messinstrumente zum Einsatz kommen.

Zum Standardprogramm der körperlichen Untersuchungen gehören eine internistische und neurologische Untersuchung sowie die Kontrolle einer Reihe von Laborparametern. Sollten auf diesem Wege pathologische Befunde erhoben werden, müssen weiterführende Untersuchungen angesetzt werden.

In der Christoph-Dornier-Klinik werden alle bislang genannten Untersuchungen durchgeführt. Sollten weiterführende differentialdiagnostische Abgrenzungen erforderlich sein, verweisen wir unsere Patienten an uns vertraute Konsiliarärzte bzw. überweisen unsere Patienten zu Spezialuntersuchungen.



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