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Der körperliche
Mangelzustand
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muss vor
den
psychischen
Ursachen behoben
werden...
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A
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Ansatzpunkte der Behandlung:
Körpergewicht – Essverhalten – Konflikte
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Weil in der Magersucht sowohl Psyche als auch Körper der Patientin
verändert sind, ist es sehr schwer, allein mit Einsicht oder Willensstärke
diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Auch der Versuch, allein die Hintergrundkonflikte
zu lösen, kann nicht zum Erfolg führen. Es ist deshalb unbedingt
notwendig, zunächst den körperlichen
Mangelzustand zu beheben.
Erst wenn dieser Schritt eingeleitet ist (also die Gewichtszunahme wieder
beginnt), ist es sinnvoll, die psychischen
Faktoren zu ändern, die innerhalb des Teufelskreises wirksam sind.
Und erst wenn diese Faktoren sich allmählich verbessern (also die
Angst vor Gewichtszunahme kleiner wird, die Körperwahrnehmung realistischer
wird, das Hunger-Sattheits-Gefühl wiederkehrt), dann können
auch die "äußeren" Hintergrundkonflikte und Belastungen
effektiv gelöst werden (also alle Faktoren, die für die Essstörung
der einzelnen Patienten von Bedeutung sind, z.B. die familiäre Situation,
die Angst vor der eigenen Weiblichkeit oder dem Erwachsen werden, der
Umgang mit Konflikten und Leistung usw.).
Aus den Risikofaktoren ergeben sich die zentralen Ansatzpunkte für
die Behandlung:
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1.
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Untergewicht
Der zentrale Faktor ist das Untergewicht, weil durch die damit verbundenen
Mangelerscheinungen die anderen Faktoren (keine Hunger-Sattheits-Gefühle
mehr, Heißhunger, Wahrnehmungsverzerrungen, Angst vor dem
Dicksein, restriktives Essen, psychische Beeinträchtigungen)
weiter verstärkt werden. Es ist also zu Anfang der Behandlung
unbedingt notwendig, schnell und sicher an Gewicht zuzunehmen. Erst
wenn das Normalgewicht wieder erreicht ist, können sich auch
die anderen Faktoren normalisieren. Die kontinuierliche Gewichtszunahme
bis zum gesunden Zielgewicht ist deshalb das absolut vorrangige
Ziel jeder Magersucht-Behandlung.
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2.
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Aufrechterhaltende Faktoren
Durch eine Normalisierung des Essverhaltens wird der körperliche
Stoffwechsel wieder hergestellt, und mit zunehmendem Körpergewicht
werden auch die Mangelerscheinungen und ihre Folgen behoben. Die
Angst vor dem Dicksein wird sich allein durch diese Veränderungen
reduzieren, muss jedoch noch gesondert psychotherapeutisch behandelt
werden, denn die Angst vor dem Dicksein wird ja noch aus anderen
Quellen gespeist, wie z.B. dem Schlankheitsideal. Auch die Tendenz
zu Heißhungerattacken wird mit der Normalisierung des Essverhaltens
geringer werden, braucht aber auch zusätzlich Maßnahmen,
um ganz überwunden zu werden. Gleiches gilt für die Körperschemastörungen,
die zwar mit zunehmendem Körpergewicht weniger werden, aber
ebenfalls eine gezielte Therapie benötigen. Und auch das gestörte
Essverhalten selbst muss mit speziellen therapeutischen Übungen
systematisch verbessert und normalisiert werden, um auf Dauer ein
stabiles, ausgewogenes Essverhalten ohne Einschränkung, ohne
Erbrechen oder andere Gegenmaßnahmen zu erreichen.
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3.
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Hintergrundkonflikte
Schließlich werden – allerdings ist dies erst mit allmählicher
Gewichtszunahme möglich – auch die "äußeren"
Faktoren des Teufelskreises verändert: die "Belohnungen",
die durch die Ess-Störung bisher erreicht wurden, sollten auch
durch andere Verhaltensweisen erreicht werden können; das Schlankheitsideal
sollte nicht mehr so mächtig sein; und all die persönlichen
Hintergrundfaktoren wie z.B. Konflikte in der Familie, Probleme
in der Schule, Stress mit Beziehungen, Angst vor dem Erwachsenwerden
oder vor dem Frau-Sein werden in der Therapie bearbeitet, um Lösungen
zu finden, die einen dauerhaften Erfolg der Behandlung absichern.
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Die Intervalltherapie
verknüpft intensive
stationäre Therapie
mit den Vorteilen
einer ambulanten
Behandlung...
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B
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Dauer der Behandlung:
Die Intervalltherapie
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Ein sehr wichtiger Punkt in der Therapie der Anorexia nervosa muss deutlich
erwähnt werden: Die Behandlung der Magersucht
dauert lange. Das hängt ab von dem Körpergewicht, das
in der Therapie erreicht werden muss, um sicher zu sein, dass die Magersucht
auch überwunden ist. Dieses sogenannte Zielgewicht wird anhand des
BMI berechnet: Ein BMI von 20 muss erreicht werden, um den Körper
in einen Zustand zu bringen, in dem die Mangelerscheinungen überwunden
sind und keine akute Rückfallgefahr besteht.
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Ein Beispiel: Bei einer stark abgemagerten Patientin, die nur noch
ein Körpergewicht von 35 kg bei 1,61 m Körpergröße
(das wäre ein BMI von 13,5) hat, kann es recht lange dauern,
bis ein BMI von 20 erreicht ist. Eine dermaßen untergewichtige
Patientin müsste nämlich mehr als 16 kg zunehmen, um ihr
Zielgewicht von 51,8 kg zu erreichen. Es ist zwar möglich,
in einer Woche 2 kg und mehr zuzunehmen, doch eine kontinuierliche
Gewichtszunahme ist mit 1-1,5 kg pro Woche realistischer. Und dann
kann es schon mehr als nur einige Monate dauern, bis das Zielgewicht
erreicht ist.
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Weil die Behandlung der Magersucht also relativ viel Zeit braucht, es
aber für die meisten Betroffenen nicht zumutbar ist, viele Monate
entfernt von zu Hause in einer Klinik zu verbringen (außerdem ist
es nicht besonders hilfreich, auf Dauer den Alltag aus der Therapie herauszuhalten;
und es ist nicht zuletzt auch eine Frage der Kosten...) haben wir in der
Christoph-Dornier-Klinik ein Therapiekonzept entwickelt, das sich "Intervalltherapie"
nennt:
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Erstes stationäres Intervall (innerhalb der Christoph-Dornier-Klinik): dosierte Gewichtszunahme in der sogenannten
„Gruppe zur dosierten Gewichtszunahme“ bis BMI > 17 (Dauer: abhängig von der Stärke des Untergewichts
bei Aufnahme) ; danach selbstkontrollierte Gewichtszunahme mit vorwiegend einzeltherapeutischer Behandlung
(Dauer: ca. 4 Wochen)
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Erstes ambulantes Intervall mit dem (vorbehandelnden) ambulanten Behandler, tel. Nachbetreuung der Christoph-Dornier-Klinik (Dauer: mehrere Wochen):
weitere selbstkontrollierte Gewichtszunahme (wenn das Zielgewicht noch nicht
erreicht wurde) und Alltagserprobung der bisher erreichten Fortschritte
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Zweites stationäres Intervall (Dauer: ca. 2-4 Wochen, innerhalb der Christoph-Dornier-Klinik):
weiter selbstkontrollierte Gewichtszunahme (wenn das Zielgewicht noch nicht
erreicht wurde), zunehmende Bearbeitung von Hintergrundkonflikten
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Zweites ambulantes Intervall mit dem (vorbehandelnden) ambulanten Behandler, tel. Nachbetreuung der Christoph-Dornier-Klinik (Dauer: variabel):
evtl. weitere selbstkontrollierte Gewichtszunahme, weitere
Erprobung des bisher Erreichten
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Drittes stationäres Intervall (Dauer:
1-2 Wochen): evtl. weitere selbstkontrollierte Gewichtszunahme,
Stabilisierung, Rückfallprophylaxe
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Drittes ambulantes Intervall (Dauer:
variabel): ambulante Unterstützung der Patienten bei
der Stabilisierung des bisher Erreichten unter Alltagsbedingungen.
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Diese Intervalltherapie hilft nicht nur Kosten zu sparen, sondern bietet
eine einzigartige Verknüpfung intensiver stationärer Therapie
mit den alltagsnahen Vorteilen einer ambulanten Behandlung, so dass Erfahrungen
und Erfolge aus der stationären Behandlung immer gleich unter wirklichkeitsgerechten
Bedingungen im häuslichen Umfeld erprobt und gefestigt werden können.
Diese Alltagserfahrungen können dann in den folgenden stationären
Kurzintervallen sofort wieder ausgewertet und weiter stabilisiert werden.
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Nahrung wird
als
Medikament
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betrachtet...
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C
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Methoden der Behandlung
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1. Dosierte Gewichtszunahme
Das erste Ziel in der Behandlung der Magersucht ist die möglichst
rasche Gewichtszunahme. Allerdings ist für fast jede magersüchtige
Patientin die Angst vor der Gewichtszunahme viel zu groß, um eine
solche Veränderung leichten Herzens zu schaffen. Und dies auch noch
über längere Zeit, manchmal Monate, durchzuhalten – das
ist ohne fremde Hilfe kaum möglich. Auch in der Behandlung werden
Gespräche, gute Worte, oder auch besonders "leckeres" Essen
nicht ausreichen.
Die Lösung des Problems heißt deshalb am Anfang: Nahrung
wird als "Medikament" betrachtet. Gerade weil am Anfang
die Gewichtszunahme so wichtig und gleichzeitig so schwer ist, wird die
Verantwortung dafür von uns übernommen: Den Patientinnen wird
jeden Tag orientiert an den Zunahmen der Wiegetermine die Menge an Kalorien zur Verfügung gestellt, die
nötig ist, um die vereinbarte wöchentliche Gewichtszunahme zu
schaffen. Durch gemeinsames Essen unter therapeutischer Anleitung wird
zudem gewährleistet, dass diese Kalorienmenge dem Körper auch
in der richtigen "Dosierung" zugeführt wird.
Die dosierte Nahrungsaufnahme bildet den Schwerpunkt der ersten Behandlungsphase.
Und diese dauert so lange, bis der BMI der Patientin bei 17 liegt. Es wird dabei
eine Gewichtszunahme von 1200 g pro Woche angestrebt. An drei Wiegeterminen in der
Woche werden die Gewichtsveränderungen gemessen. Danach werden die Essenspläne
der Patientin so angepasst, dass das Gewicht kontrolliert ansteigen kann.
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Während dieser Zeit findet die Therapie überwiegend in Kleingruppen statt, in denen die
Patientinnen von speziell geschulten Therapeuten bzw. Therapeutinnen intensiv betreut werden.
In der Kleingruppe werden alle Mahlzeiten unter therapeutischer Anleitung eingenommen.
In Gruppentherapiestunden setzen sich
die Patientinnen mit den einzelnen Faktoren und Risiken ihres persönlichen
Essverhaltens auseinander (Info-Gruppe) und lernen mit aktuellen Problemen
und Belastungen umzugehen (Problemlösegruppe – PLG I).
Daneben finden regelmäßig
2 Einzelgespräche pro Woche statt. Jede Patientin hat ihre feste
Bezugstherapeutin. In diesen Einzeltherapien geht es in dieser ersten
Phase der Behandlung vornehmlich um die Gewichtszunahme und die Möglichkeiten,
diesen Prozess zu unterstützen.
2. Selbstkontrollierte Gewichtszunahme
Sobald ein BMI von 17 erreicht ist, wird die Behandlung individualisiert
und mehr der Selbstverantwortung der Patientin überlassen. D.h. jetzt
liegt viel mehr Kontrolle, z.B. bei der Auswahl und Menge des Essens,
bei der Patientin. Dies ist eine sehr wichtige Therapiephase, denn um
so besser es der Patientin gelingt, die notwendigen Änderungen in
die eigene Hand zu nehmen, also zur "Expertin" der eigenen Störung
und ihrer Behandlung zu werden, desto mehr werden die Therapieerfolge
auch dauerhaft stabil bleiben.
Um die Patientin dabei zu unterstützen, findet diese Therapiephase
vor allem als intensive Einzeltherapie in der Regel mit mehreren Einzeltherapiestunden täglich statt. Jede Patientin hat dabei ihre persönliche Therapeutin, die für sie zuständig ist und mit ihr arbeitet. Es finden
ergänzend auch
weiterhin Gruppentherapien statt, jedoch viel mehr einzeltherapeutische
Sitzungen und vor allem praktische Übungen, in denen jetzt neben
der weiteren Gewichtszunahme zunehmend die psychischen Faktoren und Hintergründe
des Teufelskreises bearbeitet werden. |
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Auf die ausgewogene
Zusammensetzung
der Nahrung
wird von Anfang an
geachtet...
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Die Übungen zur selbstkontrollierten Gewichtszunahme beginnen schon
im ersten stationären Intervall und werden in den ambulanten und
weiteren stationären Intervallen fortgesetzt. Nachdem also mit der
dosierten Gewichtszunahme schon das erste Zwischenziel von einem BMI=17
erreicht wurde, kommt es jetzt darauf an, das endgültige Zielgewicht
von BMI=20 zu schaffen. Die Gewichtszunahme ist nun auf mindestens 700g
pro Woche festgelegt. Es wird also etwas leichter, allerdings liegt die
Verantwortung für die Gewichtszunahme ja auch mehr in der Hand der
Patientin.
Die tägliche Kalorienzufuhr wird nicht mehr durch die Gruppentherapeutinnen
garantiert, denn jetzt können die Patientinnen selbst bestimmen (und
auch ausprobieren), wie viel und was sie essen müssen, um die weitere
wöchentliche Zunahme ihres Körpergewichts zu erreichen. Auch
wird nicht mehr jeden 2. Tag gewogen, um zu kontrollieren, sondern nur
noch ein- bis zweimal pro Woche, um festzustellen, ob die wöchentliche
Gewichtszunahme erreicht wurde.
3. Einschränkungsprogramm
Die dosierte und die selbstkontrollierte Gewichtszunahme sollen helfen,
schnell und stabil Gewicht zuzunehmen. Zunächst unter Anleitung und
garantierter Kalorienzufuhr (Essen als Medikament), dann unter mehr Selbstverantwortung.
In beiden Programmen wird eine wöchentliche Mindest-Gewichtszunahme
vereinbart: Während der dosierten Gewichtszunahme mindestens 1200
g pro Woche, in der selbstkontrollierten Gewichtszunahme mindestens 700
g pro Woche.
Während in der ersten Phase die Gewichtszunahme weitgehend sichergestellt
ist, weil die nötige Kalorienzufuhr ja garantiert ist und auch beaufsichtigt
wird, ist die selbstkontrollierte wöchentliche Gewichtszunahme zwar
kleiner (nur mehr 700 g), jedoch liegt es nun fast ganz bei der Patientin,
ob dieses wöchentliche Ziel auch erreicht wird.
Kontrolle: |
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Was
passiert, wenn die wöchentliche Gewichtszunahme nicht
erreicht wird?
Für die dosierte und für die selbstkontrollierte Nahrungszufuhr gibt es
unterschiedliche
Konsequenzen für den Fall, dass das wöchentliche
Zielgewicht nicht erreicht wurde:
Wenn bei der dosierten Nahrungszufuhr
die 1200 Gramm trotz erhöhter und kontrollierter Kalorienzufuhr
nicht erreicht werden, werden in der Visite und im Einzelgespräch
Maßnahmen besprochen, wie die Therapie noch verbessert
werden kann (z.B. mehr Bettruhe, noch mehr Kalorien, mehr
Kontrolle usw.).
Wenn aber bei der Selbstkontrolle
die 700 Gramm nicht erreicht wurden, tritt ein
"Einschränkungsprogramm"
in Kraft. Dies soll es der Patientin ermöglichen, doch
noch aus eigener Kraft die notwendige Gewichtszunahme zu schaffen.
Einschränkung bedeutet: Die Bewegungsmöglichkeiten
der Patientin, aber auch angenehme Tätigkeiten, Kontakte
und Freiheitsräume sind eingeschränkt.
Diese Maßnahmen bewirken zum einen, dass durch die eingeschränkte
körperliche Tätigkeit auch der Stoffwechsel reduziert
wird, der Körper also weniger verbrennt und besser zunimmt.
Zum anderen jedoch wird die Einschränkung durchaus als
unangenehm, öde und langweilig erlebt – ein Zustand,
den man möglichst schnell wieder beenden möchte.
Und das ist auch die Absicht dieser Maßnahme: Denn es
gilt, dass nur durch konsequentes
Essen und Zunehmen der Zustand der Einschränkung
durch die Patientin beendet werden kann. Die Einschränkung bleibt jedoch eine
freiwillige Vereinbarung im Rahmen der Therapie. Die Patientin wird nicht „eingesperrt“,
sondern kann auch ohne Gewichtszunahme die Einschränkung jederzeit beenden. Allerdings würde
das dann auch ein Ende der Therapie bedeuten.
Es liegt in der Hand der Patientin, ob sie in die Einschränkung
kommt oder nicht, und es liegt auch bei ihr, wie schnell sie ggf. aus der Einschränkung wieder herauskommt.
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4. Normalisierung des Essverhaltens
Ein normales Essverhalten bedeutet:
1) Ausreichende Kalorienmenge, um das Gewicht zu halten.
2) Ausgewogene Zusammensetzung aus Fett, Eiweiß, Kohlehydraten und
Ballaststoffen.
3) Abwechslungsreiche Auswahl der Lebensmittel.
4) Verteilung auf fünf Mahlzeiten täglich.
Die Normalisierung geschieht schrittweise. Zunächst sind ja auch
mehr Kalorien pro Tag notwendig, weil das Gewicht nicht nur gehalten,
sondern gesteigert werden soll. Auf die ausgewogene Zusammensetzung wird
von Anfang an geachtet, damit sich der Stoffwechsel schnell normalisieren
kann und die körperlichen Mangelzustände baldmöglichst
behoben werden. Auch auf die abwechslungsreiche Auswahl wird von Beginn
an geachtet, auch wenn einige Lebensmittel dabei sein werden, die besonders
viel Angst machen. Und von Anfang an wird das Essen auf fünf Mahlzeiten
verteilt: Frühstück, Mittag und Abendessen, sowie mindestens
zwei Zwischenmahlzeiten.
5. Konfrontationstherapie
Manches Essen wird während der Gewichtszunahme Angst machen, besonders
die fett- und kohlenhydratreichen Lebensmittel werden ganz besonders stark
die Angst vor dem Dickwerden auslösen. Die Angst vor dem Dicksein
wird aber auch durch die eigene Figur ausgelöst, v.a. wenn schon
einiges an Körpergewicht zugenommen wurde. Dann sind es meistens
die besonders "kritischen" Körperstellen wie Bauch, Po
oder Oberschenkel, die diese Angst hervorrufen. Bei manchen Patientinnen
ist es auch die Waage, oder es ist der Moment, wenn die gewohnte Kleidung
zu eng wird, der diese Angst auslöst. Diese Angst kann sehr schlimm
sein, sich wirklich als Panik zeigen.
Bei denjenigen Patientinnen, bei denen diese Angst sehr stark ausgeprägt
ist, werden mit Beginn der selbstkontrollierten Gewichtszunahme, also
erst nach dem BMI von 17, spezielle therapeutische Übungen durchgeführt,
die gezielt diese Angst bekämpfen. Diese Übungen nennt man
Expositionsübungen
oder auch Konfrontationstherapie. Dabei werden die Patientinnen
angeleitet, sich
mit genau
den Situationen zu konfrontieren, die die Angst hervorrufen. Also bestimmte
"bedrohliche" Speisen, oder der Anblick der eigenen Figur vor
dem Spiegel oder im Video. Wenn man sich in diesen Situationen dann wirklich
mit dieser Angst konfrontiert, wird die Angst zwar zunächst noch stärker,
lässt dann aber allmählich nach und verschwindet bei wiederholter
Konfrontation
immer mehr.
Solche Übungen sind sehr intensiv, d.h. sehr belastend,
aber auch hochwirksam. Sie funktionieren jedoch erst ab einem bestimmten
Körpergewicht, wenn aufgrund der verbesserten körperlichen Situation
auch das Gehirn wieder in der Lage ist, solche neuen Lernerfahrungen zu
verarbeiten.
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6. Gruppentherapien
Zu Beginn der Magersuchtbehandlung, also während der dosierten Gewichtszunahme,
werden viele Therapieelemente in Form von Gruppentherapien durchgeführt.
Das sind z.B. die Gruppen, in denen gemeinsam unter therapeutischer Anleitung
gegessen wird. Zu Beginn dieser Behandlungsphase werden fast alle Mahlzeiten
in der Gruppe eingenommen. In einer anderen Gruppentherapie ("Info-Gruppe")
geht es um ein besseres Verständnis der Zusammenhänge von Ernährungsverhalten
und Stoffwechsel sowie den Folgen von gestörtem Essverhalten: Was
passiert eigentlich im Körper, wenn des Essverhalten geändert
wird? Wie wirkt sich das auf die Psyche aus? Und was passiert, wenn unter
der Behandlung der Körper wieder an Gewicht zunimmt?
Andere Gruppentherapien ("Problemlösegruppen
– PLG I und II") befassen sich mit den aufrechterhaltenden Bedingungen
des Teufelskreises von Magersucht: Welche Rolle spielen Konflikte? Wie
reagiert der Körper auf Stress? Welche Möglichkeiten gibt es,
besser mit Belastungen umzugehen? Welche Bedeutung hat die Familie für
die Entwicklung der Magersucht und für den Erfolg der Therapie?
Weitere spezielle Gruppentherapien sind: Das "
Soziale Kompetenztraining", in dem geübt werden kann,
sich angemessen durchzusetzen, zwischenmenschliche Konflikte besser zu
bewältigen, oder zu lernen, wie Kontakte geknüpft und Beziehungen
verbessert werden können. Außerdem gibt es noch die
"Kochgruppe",
in der gemeinsame Mahlzeiten eingekauft, vorbereitet, gekocht und gegessen
werden, die „Körpertherapiegruppe“,
in der es um Körper- und Gefühlswahrnehmung geht, und das
Entspannungstraining.
Um die Selbstverantwortung und Eigenständigkeit der Patientinnen
von Anfang an zu unterstützen, finden neben den therapeutisch angeleiteten
Gruppentherapien regelmäßig auch Gruppen statt, die von den
Patientinnen selbst organisiert
und durchgeführt werden. In diesen Selbsthilfegruppen, die teilweise
über die gesamte Behandlung hinaus bestehen, werden therapeutische
Aufgaben und Übungen vorbereitet, die in den kommenden Einzel- und
Gruppentherapien aktuell behandelt werden. So lernen die Patientinnen
schon während des Fremdkontrollprogramms, ihre Probleme selbst in
die Hand zu nehmen und zu lösen.
7. Einzeltherapien
Schon während der ersten Therapiephase finden neben den Gruppenbehandlungen
regelmäßig Einzeltherapien statt, in denen die Patientin bei
ihren Bemühungen um Gewichtszunahme unterstützt wird. Die Einzeltherapie
ist auch der Ort, um Hintergründe der Störung wie auch der Behandlung
besser zu verstehen, auftretende Probleme bei der Änderung des Essverhaltens
zu lösen, Auswege aus Konflikten und Belastungen zu finden.
Mit Erreichen eines BMI von 17 wird die individuelle
Ausrichtung der Behandlung sehr verstärkt:
Jetzt findet die Therapie überwiegend als Einzeltherapie statt.
Das bedeutet: Nicht mehr zwei Einzelgespräche pro
Woche, sondern mehrere Einzelsitzungen pro Tag! Die Übungen, z. B.
im Rahmen der Konfrontationsbehandlung, werden sehr viel intensiver und
zeitaufwendiger, und die Patientin lernt nicht nur durch Gespräche,
sondern durch neue Erfahrungen, ihr Essverhalten zu verbessern und zu
stabilisieren. Mehr und mehr werden jetzt auch die Hintergrundkonflikte
und aktuellen Probleme der Patientin zum Schwerpunkt der Behandlung.
8. Familientherapie
Gerade bei jungen magersüchtigen Patientinnen haben Familienmitglieder,
besonders die Eltern, großen Einfluss auf die Entwicklung der Essstörung.
Das gilt vor allem auch für den Verlauf der Therapie.
Oft sind Eltern und Geschwister recht hilflos und wissen nicht, wie sie
sich "richtig" verhalten sollen; und nicht selten ist die Familie
durch die Probleme des essgestörten Kindes erheblich belastet. Wir
wollen helfen, diese Belastungen zu verringern, indem wir die Familie
der Patientin von Anfang an in die Behandlung mit einbeziehen. Denn es
ist außerordentlich wichtig, dass alle Familienmitglieder über
die Hintergründe der Erkrankung, aber vor allem auch über das
konkrete Vorgehen in der Behandlung genau informiert sind.
Die Erprobungszeiten zwischen den stationären Aufenthalten finden im häuslichen
Milieu, d.h. meistens zu Hause in der Familie der Patientin statt. Und
auch während der stationären Intervalle kann die Familie die
Patientin aktiv unterstützen. Durch gemeinsame Gespräche von
Beginn an helfen wir dabei. Deshalb raten wir dazu, dass die Familie
möglichst schon vor der Behandlung die Patientin zur Eingangsdiagnostik
begleitet, damit wir als die Behandler in gemeinsamen Gesprächen
einen möglichst umfassenden Eindruck von der Situation zu Hause bekommen und die gesamte Familie auch von Anfang an über Hintergründe
und Vorgehen in der Therapie informiert ist. Und alle wissen, was in den
nächsten Monaten auf sie zukommt und was sie erwarten können.
Auch während der Behandlung und darüber hinaus können immer
wieder gemeinsame Gespräche stattfinden, teilweise werden die Familienangehörigen
auch in einzelne therapeutische Übungen einbezogen.
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Mit Erreichen eines
BMI von 17 wird die
individuelle
Ausrichtung der
Behandlung sehr
verstärkt...
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9. Medikamente
Zur Behandlung von Magersucht haben sich medikamentöse Therapien
als nicht sehr wirksam erwiesen. Es gibt kein Medikament, dass gegen Magersucht
hilft. Das einzig wirksame Mittel ist die Änderung des Essverhaltens,
um stetig und ausreichend Gewicht zuzunehmen und um möglichst optimal
von der Psychotherapie profitieren zu können. Also: Ausgewogene Nahrung
als Medikament. In ausreichender Dosierung.
Nur in ganz seltenen Fällen, wenn nämlich zusätzliche psychische
oder körperliche Störungen vorliegen, kann es sinnvoll oder
notwendig sein, medikamentös zu behandeln, z.B. bei schweren depressiven
Krisen, oder wenn der Stoffwechsel, Kreislauf oder Organfunktionen so
beeinträchtigt sind, dass ernsthafte körperliche Schäden
nur durch Medikamente aufgefangen werden können.
10. Visiten
Um insbesondere die körperlichen Probleme, die mit der Magersucht
einhergehen (auch die Behandlung greift massiv in körperliche Prozesse
ein!), aber auch um mögliche psychiatrische Komplikationen rechtzeitig
zu erkennen und therapieren zu können, nehmen die Patientinnen mindestens
einmal wöchentlich an ärztlichen Visiten teil.
In der ersten Behandlungsphase werden die Visiten in der Gruppe durchgeführt,
um gemeinsam mit den Therapeutinnen und den anderen Patientinnen aus der
Gruppe über Änderungen des täglichen Kalorienbedarfs und
andere Umstellungen des Ernährungsprogramms zu beraten. In den späteren
Therapiephasen werden die Visiten als Einzelgespräche durchgeführt,
um mehr auf die individuellen Anteile der Behandlung eingehen zu können.
In den Visiten wird auch über den evtl. Einsatz von Medikamenten
entschieden.
11. Ärztliche Untersuchungen
Aufgrund der erheblichen körperlichen Folgeschäden der Magersucht
werden die Patientinnen von Beginn an regelmäßig ärztlich
untersucht. Insbesondere Blutbild, Herz-Kreislauf-Funktionen, Stoffwechsel
und der allgemeine körperliche Zustand müssen sorgfältig
überwacht werden, um sicherzugehen, dass die Behandlung auch auf
somatischer Ebene ihre Ziele erreicht.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2011
Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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