CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR PSYCHOTHERAPIE
 


WAS IST EIGENTLICH PARURESIS?



 

Paruresis (von griechisch „par“, d.h. gestört und „uresis“, d.h. Urinieren) ist eine Störung, die dem Bereich der Angsterkrankungen zugeordnet wird. Im Englischen ist auch der Begriff „Shy Bladder Syndrome“ geläufig. Die Betroffenen leiden am Unvermögen, auf öffentlichen Toiletten zu urinieren. Sie haben schon häufig die Erfahrung gemacht, dass sie vor dem Urinal stehen bzw. sich auf der Kabine befinden, und sie trotz hohen Blasendrucks nicht urinieren können. Sind Männer davon betroffen, so haben einige von ihnen noch die Möglichkeit, die Kabine aufzusuchen und dort zu urinieren (wobei dies längst nicht bei allen funktioniert). Sind Frauen davon betroffen, so haben sie diese Auswegmöglichkeit nicht, da es die Trennung von Kabine und Urinal nicht gibt

Paruresis ist massiv einschränkend
Was auf den ersten Blick eher als eine lästige Einschränkung erscheint, entpuppt sich beim zweiten Blick als gravierendes Problem, wenn die Symptomatik ein bestimmtes Ausmaß er-reicht hat. Die Belastung entsteht vor allem durch das Vermeidungsverhalten, dass die Betrof-fenen meist an den Tag legen, um den unangenehmen Situationen auszuweichen: Ereignisse, bei denen irgendwann einmal die Notwendigkeit entstehen könnte, eine Toilette aufzusuchen, werden vermieden. Kinobesuche, Kneipen, Cafés, der Gang ins Theater, der Besuch bei Freunden – all dies kann für jemanden, der an einer Paruresis leidet, zu belastenden Situationen werden, die er oder sie lieber vermeidet. Dies führt zwar kurzfristig zu einer Entlastung, da dem Stress ausgewichen wird; langfristig aber nehmen die Probleme durch diese Strategie zu (vgl. hierzu auch unsere allgemeine Information über Angsterkrankungen: LINK). Die Selbstzweifel und die Scham wachsen, positive Ereignisse im Leben nehmen ab, womit gleichzeitig das Risiko für depressive Phasen zunimmt. Auch der Arbeitsalltag kann zur Qual werden, je nachdem wie die öffentlichen Toiletten dort gestaltet sind.

Häufig wird diese Störung begleitet von Befürchtungen, was andere Personen über einen selbst denken könnten, wenn diese bemerkten, dass man selbst Schwierigkeiten bei der Urination hat. Die Sorge „kein richtiger Mann zu sein“, „nicht normal zu sein“, „das Ein-fachste von der Welt nicht zu können“ bestimmen die Gedanken und damit auch die scham-haften und ängstlichen Gefühle der Betroffenen.

Paruresis ist eng mit körperlichen Prozessen verflochten
Diese Störung hat nichts mit „Sich-Anstellen“ zu tun, auch nichts mit Überempfindlichkeit gegenüber einer möglichen mangelnden Hygiene auf öffentlichen Toiletten. Sie ist das Er-gebnis psychophysiologischer Prozesse. Bei an Paruresis leidenden Menschen löst der Besuch einer öffentlichen Toilette körperliche Stressreaktionen aus. Der Körper reagiert so, als befän-de er sich in einer Gefahrensituation. Es kommt zu einer Aktivierung des sympathischen Ner-vensystems, was unter anderem zur Folge hat, dass die inneren und äußeren Ringmuskel an der Blase angespannt werden, wodurch ein Harnfluss unmöglich wird. Für die Urination ist ein gewisses Maß an Entspannung, also auch ein Sicherheitsgefühl notwendig.

Es gibt Auswege
Die Christoph-Dornier-Klinik bietet ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungspro-gramm an, das an der Universität Düsseldorf von der Arbeitsgruppe um Prof. Hammelstein überprüft wurde und sich als sehr wirksam herausgestellt hat. Die Patienten werden zu Experten ihrer eigenen Problematik ausgebildet. Nach einer ausführlichen Diagnostik und Analyse der individuell gelagerten Problematik, vermitteln Therapeuten ihnen das Wissen über die Funktionsweise der Blase und über die Angstreaktionen auf öffentlichen Toiletten. In der sich anschließenden Behandlungsphase üben die Patienten in kleinen Schritten das Urinieren auf öffentlichen Toiletten. Ziel ist es auch, das Vermeidungsverhalten immer weiter aufzugeben, bis die Betroffenen wieder in der Lage sind, an allen Dingen des Alltags teilzunehmen. Zu-sätzlich wird die „Paruresis im Kopf“, also die Gedanken, welche die Problematik noch ver-stärken, in den Blick gerückt und verändert.

Bei dieser Problematik ist es notwendig, dass sie von einem Therapeuten ihres Geschlechts behandelt werden. Dieser Therapeut oder diese Therapeutin unterstützt sie bei all ihren Ver-änderungsschritten.



 

Und so geht es

weiter ...


Informationen

Auf den folgenden Seiten finden Sie nützliche Informationen über die diagnostischen Kriterien der Paruresis. Beachten Sie auch die Informationen über die allgemeinen Angststörungen. Hinweise auf interessante Bücher und Zeitschriften zu diesem Thema können Ihnen zusätzliche Eindrücke verschaffen.

Falls noch Fragen offen sind, rufen Sie uns an unter (0251) 4810-102 oder schicken uns eine e-mail info@c-d-k.de.
 



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